„Eltern brauchen Zeit für ihre Kinder und Kinder brauchen Zeit mit ihren Eltern“

Moers. Für Renate Schmidt steht fest, dass sich Deutschland nicht allein mit neuen Gesetzen in ein familienfreundliches Land verwandeln lässt: "Wir brauchen eine Mischung unterschiedlicher Maßnahmen", sagte die Familienministerin am Mittwoch in einer Talkrunde im Kulturzentrum Rheinkamp.

Nur wenn sich auch die Mentalität in der Gesellschaft ändert, werden sich die Menschen wieder häufiger für Kinder entscheiden. Dazu könne beitragen, dass wir Kinder nicht unter Problemaspekten betrachten, sondern davon reden, was Kinder für uns bedeuten: "Glück, Lebensfreunde und das Bewusstsein, das von uns etwas bleibt."

Auch die Wirtschaft ist nach Ansicht der engagierten Sozialdemokratin Renate Schmidt in diesem Zusammenhang massiv gefordert: "Eltern brauchen Zeit für ihre Kinder und Kinder brauchen Zeit mit ihren Eltern. Deshalb muss die Wirtschaft wirklich familienfreundliche Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen anbieten."

Nikolaus Schneider, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, ermunterte während der Veranstaltung, zu der das Lokale Bündnis für Familien in Repelen eingeladen hatte, Arbeitgeber, Mütter verstärkt bei Einstellungen zu berücksichtigen: "Mütter entwickeln soziale Kompetenzen, die für jeden Betrieb nützlich sind."

Die Aufgabe der Politik sehen Renate Schmidt und die Moerser SPD-Landtagsabgeordnete Elke Talhorst primär im Schaffen guter Rahmenbedingungen. Renate Schmidt nannte hier die Kinderbetreuungsangebote, insbesondere für Kinder unter drei Jahren und den Ausbau der Ganztagsschulen. Diese seien in ganz Europa Normalität und in Deutschland werde immer noch ein ideologischer Streit darüber geführt, ob Kinder in Ganztagsschulen seelische Schäden erlitten.

Renate Schmidt setzte dem ein Bild von Ganztagsschule entgegen, in der die Lust am Lernen mit neuen Unterrichtsformen gefördert wird. Elke Talhorst betonte auf dem Podium, die offenen Ganztagsschulen seien ein Angebot: "Eltern haben auch die Freiheit, ihre Kinder nicht an den Nachmittagsangeboten teilnehmen zu lassen. Hier setzt die SPD auf die Entscheidungsfreiheit der Erziehungsberechtigten."

Renate Schmidt warnte davor, Kindertagesstätten und Ganztagsschulen nur unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehen: "In diesen Einrichtungen wird ganz wichtige pädagogische Arbeit geleistet. Insbesondere im Vorschulalter ist die Förderfähigkeit der Kinder noch sehr groß." Insgesamt werde in Deutschland aber auch heute noch zu wenig Geld für Bildung ausgegeben.