Laudatio von Erika Scholten anlässlich zur Verleihung des Wilhelmine-Runge-Preises

Meine sehr geehrten Damen und Herren, verehrte Gäste,

als mich vor einigen Tagen Harald Hüskes fragte, ob ich die Laudatio zur Verleihung des Wilhelmine-Runge-Preises halten könnte, habe ich gerne zugesagt. Obwohl ich mich nach 40 Jahren ehrenamtlicher Arbeit aus der Kommunal-Politik zurückgezogen habe und mich seit 2 Jahren im Ruhestand befinde, es hat mich als Sozialdemokratin ganz besonders erfreut, dass zum einen, dieser Ehrenpreis mit dem Namen einer Moerser Sozialdemokratin – nämlich Wilhelmine Runge – ausgeschrieben wurde.

Und zum Anderen, dass der SPD-Stadtverband Moers einen mit 1.000 € dotierten Preis für besonders engagierten Einsatz im Bildungsbereich ausgeschrieben hat. Lassen Sie mich mit einem kleinen Einblick in das Leben der Wilhelmine Runge, die Namensgeberin dieses Preises, würdigen: 

Wilhelmine Holtappels wurde 1907 in Utfort geboren. Sie besuchte die Volksschule und arbeitete später in einer Fabrik in Krefeld oder als Haushaltshilfe. Denn in der damaligen Zeit hatten meistens Jungen Zugang zur Bildung oder zum Erlernen eines Berufes. 

Geprägt durch ihr sozialdemokratisches Elternhaus fand sie in früher Jugend den Weg zur Arbeiterjugend SAJ. (Sozialistische Arbeiterjugend). Dort lernte sie ihren späteren Mann Hermann Runge kennen und heiratete ihn 1929. Er war aktiv in der SPD und wurde 1931 Parteisekretär der Kreis Moerser SPD. Wilhelmine unterstützte ihn in jeder Beziehung.

Sie engagierte sich aber auch intensiv und federführend für die Frauen in der Arbeiterwohlfahrt. Sie organisierte Seminare und Kurse, um Arbeiterfrauen durch Bildung zu einem stärkeren Selbstvertrauen zu verhelfen.

In den 1930er Jahren engagierte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Hermann aktiv im Widerstand und kämpfte gegen die Nazis, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. In dieser Zeit wurden beide arbeitslos, da sie als Antifaschisten bekannt waren. Nach langer Arbeitslosigkeit bekam Hermann eine Anstellung in der Brotfabrik „Germania“ in Duisburg-Hamborn als Brotfahrer. Diese Brotfabrik wurde die Zentrale des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft im Rhein-Ruhrgebiet. Die Brotfahrer, alle Sozialdemokraten, belieferten ihre Kunden nicht nur mit Brot, sondern auch mit illegalen Schriften und Nachrichtenmaterial. Hermann war der Kopf der Organisation. Wilhelmine unterstützte ihn dabei.

1935 flog die Organisation auf. Hermann wurde mit 9 Jahren Zuchthaus bestraft. Alle Versuche ihren Mann zu besuchen oder herauszuholen scheiterten. Um überleben zu können führte sie das Brotgeschäft ihres Mannes weiter. Erst 1945 konnte Wilhelmine wieder ihren Mann in die Arme schließen. Beide nahmen ihre Arbeit in der Arbeiterbewegung illegal wieder auf. Als die Besatzungsmacht im September 1945 die Neugründung von demokratischen Parteien erlaubte, standen bereits die Organisation der SPD und der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Moers. Wilhelmine übernahm wieder Führungspositionen in der AWO und wurde Ausschuss-Mitglied im Kreistag Moers. Sie förderte in der AWO die Hilfe zur Selbsthilfe. Unter ihrer Regie wurden die ersten Kinderlager am Oermter Berg durchgeführt. 1950 bekam Wilhelmine eine Tochter und ihrer Familie zuliebe zog sie sich aus der aktiven Politik zurück. Sie starb am 8. Januar 1979 im Alter von 71 Jahren.

Nachzulesen ist die Lebensgeschichte von Wilhelmine Runge in vielen Dokumenten und Büchern wie z.B. „Auf den Spuren Moerser Frauen“

Der Name für den Ehrenamtspreis „Wilhelmine Runge“ steht also für eine damals im Bildungsbereich aktive kämpferische Bürgerin. Der diesjährige Ehrenamtspreis des SPD Stadtverbandes Moers ist darum ein „Dankeschön“ an ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger für ihren besonders engagierten Einsatz im Bildungsbereich.

Der Ehrenamts-Preis wurde vom SPD-Stadtverband Moers ausgeschrieben und mit 1.000 € dotiert.

Allen Beteiligten war es klar, dass die ehrenamtliche Tätigkeit in unserer Gesellschaft sehr wichtig und nicht mehr wegzudenken ist. Ohne bürgerschaftliches Engagement würde unsere Gesellschaft die vielfältigen Aufgaben in sozialen, sportlichen, kulturellen und kirchlichen Bereichen, in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Senioren- und Behindertenhilfe und ganz aktuell in der Flüchtlingshilfe nicht mehr bewältigen.

Einzelpersonen und Organisationen aus Moers konnten sich bewerben!

Bürgerinnen und Bürger waren eingeladen, Privatpersonen oder Organisationen zu benennen, die sich durch ihr Engagement im Bildungsbereich ganz besonders hervortun. Hierzu hat eine unabhängige Jury, bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen der Kirche, des DGB und der Presse sich zusammengesetzt und eine Entscheidung getroffen.

Aus den eingegangenen Vorschlägen wählte die Jury einstimmig den „Förderverein der Astrid-Lindgren-Schule e.V.“ zum Preisträger.

Das Engagement des Fördervereins wurde als bewundernswert aktiv im Stadtteil Scherpenberg befunden. Hier darf ich an 1. Stelle meinen ehemaligen Ratskollegen Claus Peter Küster, als langjährigen Vorsitzenden des Fördervereins, und seinen gleichberechtigten Vorstand mit dem 2. Vorsitzenden Walter Kehrreim, der Kassiererin Anja Abbenhaus und den Beisitzern Bettina Reimann, Nadine Kit und Helmut Jacobi nennen und schon einmal vorab an Sie ein herzliches Dankeschön für die unermüdlichen ehrenamtlichen Aktivitäten des Vereins aussprechen.

Meine Damen und Herren,

Der Förderverein der Astrid-Lindgren-Schule erhält heute den wohlverdienten Ehrenamtspreis, weil er sich seit Jahren darum bemüht, optimale Voraussetzungen für seine Schule im Bildungsbereich zu schaffen. Durch zusätzliche intensive Einnahmen von Geldspenden ermöglichte er die Beschaffung von zusätzlichen Lehrmaterialien wie z.B. Computer, CD-Radio-Recorder, Software, Büchern oder Anschauungstafeln. 

Hinzu kamen der Spielplatzbau und die Fassadengestaltung.

Auch die vielen Gemeinschaftsveranstaltungen wie Ausflüge, Sport-, Spiel-und Schulfeste sowie Kindertrödelmärkte, St. Martin und Autorenlesungen und Helferfeten gehören zum Repertoire des Fördervereins.

Sozial schwache Familien werden bei Bedarf diskret unterstützt, damit die Teilnahme an Klassenfahrten gewährleistet wird. Zum weiteren Spektrum gehört die Finanzierung des Präventionsprogramms „Mein Körper gehört mir“ in Zusammenarbeit mit der „Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück“.

Seit dem Jahr 2000 ist der Förderverein Träger der VHT der „Verlässlichen Halbtags-Grundschule“ und der OGATA der „Offenen Ganztagsschule“ mit engagierten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den neuen Räumen ein umfangreiches Betreuungsprogramm anbieten.

Die enge Zusammenarbeit mit Scherpenberger Vereinen und der Evangelischen Gemeinde, der Sportgemeinschaft Moers und der Moerser Musikschule ermöglichen zusätzliche Aktivitäten wie Sport und Bewegung, Kreativität, Kunst, Tanz und Musik über das Schulprogramm hinaus zu erleben. Alles in Allem kann ich nur feststellen:

„Der Förderverein der Astrid-Lindgren-Schule hat den Wilhelmine Runge Ehrenamtspreis des SPD-Stadtverbandes Moers in Höhe von 1.000 € redlich verdient. Die Jury hat die richtige Wahl getroffen.

Ich gratuliere dem Förderverein der Astrid-Lindgren-Schule ganz herzlich zu diesem Gewinn. Legen Sie die 1.000 € gut an in Projekten für Ihre Schüler und Schülerinnen. Denken Sie immer daran: „Kinder sind unsere Zukunft!“