Thomas Kutschaty mit Ibrahim Yetim, MdL, zu Gast im AWO Seniorenzentrum Schwafheim

Thomas Kutschaty: „Bei der Landesregierung  wird Verantwortung von oben nach unten zu den Kommunen weitergereicht. Da scheint mir Feigheit vor Verantwortung zu gehen. Bis heute gibt es keinen Corona-Krisenstab auf Ebene der Landesregierung!“

60 Termine in 50 Städten hat der sozialdemokratische Oppositionsführer auf seiner Sommertour 2020 geplant und besuchte jetzt ganz bewusst das Seniorenzentrum in Schwafheim, als größtes von  insgesamt 13 Häusern des AWO Bezirksverbandes. Über zwei Stunden lang fand ein intensiver Gedankenaustausch statt: Wie geht es den „Helden des Alltags“ in diesem Bereich heute! Rolf Gabriel, Leiter des Seniorenzentrums: „Toi, toi, toi, wir hatten bis heuet keinen einzigen Coronafall, keinen Corona bedingten Todesfall, weder bei den Bewohnern noch bei unserem Personal. Allerdings haben wir sofort, strikt und konsequent ein Hygienekonzept durchgesetzt, auf dessen Beachtung durchgängig und durchaus auch rigoros geachtet wird.“ Hans-Jürgen Schneider, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Bezirksverbandes der AWO. „Wir haben sofort verbindliche, einheitliche Dienstkleidung eingeführt, dabei sollten wir es nach Corona belassen. Das ist natürlich mit mehr Zeitaufwand und Kosten verbunden. Nach den anfangs horrenden Preissprüngen bei Schutzkleidung und Atemschutzmasken haben sich Preise und Lage wieder normalisiert. Ich hoffe man zieht in Düsseldorf daraus die richtigen Lehren und schafft für die Zukunft entsprechende Lagerkapazitäten.“ Rolf Gabriel: „Wir haben bei der Vielzahl der Verordnungen oft den Eindrucken, dass sie untereinander nicht abgestimmt werden, teilweise Fach- und Sachkompetenz fehlt, Verordnungen sich  wechselseitig überholen und oft zur Verschlimmbesserung beigetragen haben. Ein Beispiel von einigen, unsere Mitarbeiter müssen vor Schichtbeginn auf dem Dienstplan mit Unterschrift bestätigen, dass sie keinerlei Symptome haben. Ich möchte die- oder denjenigen gar nicht erst im Haus haben, wenn er Symptome hat. Mein Personal käme auch nicht auf die Idee mit Symptomen zur Arbeit zu erscheinen und würde erst einmal anrufen Wir haben hier eine Menge Papier und Zeit bewegt, die an anderer Stelle gefehlt hat.“

Heinz Packlin, von den sozialen Diensten des Seniorenzentrums Schwafheim: „Viele Beschäftigungs- und Unterhaltungsangebote mussten wir anfangs einstellen, haben aber sofort nach neuen, dezentralen Angeboten für Gruppen bis zu 10 Personen gesucht und gefunden.“, Rolf Gabriel:“ Als es wieder möglich, haben wir unser Haus offen gehalten war, mit einem Besucherfenster, mit Besuchszeiten, um den Kontakt zwischen  Bewohnern und Angehörigen nicht vollständig zu unterbrechen. Viele Maßnahmen bleiben aber bis heute unumgänglich, das gemeinsam Mittagessen wurden abgeschafft, die Bewohner werden auf ihren Zimmer versorgt, entsprechend groß der Verlust an sozialen Kontakten. Wir haben unsere Fahrdienste  ausgeweitet von Fahrten zu den Ärzten, einer Betreuung bis in die Artpraxen hinein. Auch Anverwandte, Kinder unserer Bewohner sterben, da schaffen wir wenigstens die Möglichkeit an der Beerdigung teilnehmen zu können.“  Nach der ersten Stunde hatte die Einrichtungsleitung auf Wunsch der Besucher aus dem Landtag Mitarbeiter eingeladen, am Gespräch teilzunehmen. Beeindruckt war Ibrahim Yetim besonders von der Äußerung von Dominic Windhäuser: „Ich habe natürlich auch meine privaten Kontakte auf ein Minimum beschränkt. Ich kann doch privat keine Risiken eingehen und hier in der Einrichtung Menschenleben gefährden.“ Lebhaft pflichteten ThorstenPetrick und Patricia Knothe bei. Patricia Knothe: Am meisten zu schaffen macht uns, wie sehr wir die Bewohner  isoliert werden mussten, wie sehr ihnen Zuwendung, Nähe fehlt, die Schulter an der man sich mal ausweinen kann. Da müssen wir viel auffangen!“ Dominic Windhäuser: „Das hat Auswirkungen, entsprechend mehr Depressionen oder depressive Schübe haben unsere Bewohnerinnen und Bewohner.“ Ibrahim Yetim: „Dieser Aspekt, dass Sie sich auch privat so einschränken, war mir in diesem Umfang nicht bewusst! Wie gehen sie dann mit Bildern von Menschenmassen ohne Maske, mit Demos ohne Maske gegen Maskenpflicht um!“ Da herrschte im Raum komplettes Unverständnis, Kopfschütteln: „Durchgreifen, Sanktionen durchsetzen, Härte zeigen“ Thomas Kutschaty brachte es auf den Punkt: Demonstrieren ohne Maske und ohne Abstand ist, wie demonstrieren ohne Anstand!“