„Streuobstwiese“

Unsere Streuobstwiese in Eick-West
Bei der Streuobstwiese handelt es sich um ein langjähriges Projekt des SPD OV Rheinkamp,
das seit dem Jahr 1999 vom SPD OV Rheinkamp kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Das Projekt Streuobstwiese des SPD OV Moers-Rheinkamp

I. Zur Bedeutung von Streuobstwiesen
II. Von der Idee zur Realisierung
III. Der Ortsverein als Landwirt
IV. Wilhelm-Dröscher-Preis 2003
V. Das Streuobstwiesenfest
VI. Unsere fleißigen MitarbeiterInnen: Schafe und Bienen
VII. Daten zur Streuobstwiese
VIII. Kontakt

I. Zur Bedeutung von Streuobstwiesen

Die Streuobstwiesen sind Teil der bäuerlichen Kulturlandschaft in Deutschland. Sie findet man vorwiegend in Süddeutschland oder Hessen, aber auch teilweise bei uns am Niederrhein. Sie wurden in der Regel – wie unsere Wiese – Anfang des 20.Jahrhunderts von den Bauern angelegt, um Beweidung und gleichzeitig Obstproduktion zu ermöglichen. Es wurden damals vor allem sogenannte Hochstammsorten angepflanzt. Inzwischen ist ein Großteil der noch stehenden alten Bäume ca 10 m hoch.

Traditionell bewirtschaftete Streuobstwiesen sind nicht nur ein schöner Anblick, sondern weisen durch ihre parkartige Struktur notwendige Voraussetzungen für einen wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere auf. Unsere Streuobstwiese ist Rückzugsgebiet für viele Vogelarten, zahlreiche Schmetterlingsarten und auch Amphibien. Zudem ist inzwischen nachgewiesen, dass die alten Apfelsorten relativ umweltresistend sind, zumal wir auch auf jegliche Düngung bzw Pestizide verzichten.

II. Von der Idee zur Realisierung

Der Vorstand des OV Rheinkamp hatte auf einer Klausur beschlossen, ein Projekt im Bereich Umwelt durchzuführen, das öffentlichkeitswirksam sein sollte und der Allgemeinheit dienen sollte. Wir wollten zeigen, dass Politik nicht immer nur redet, sondern auch konkret handelt.

Nach der erfolgreichen Durchführung eines Umwelttages am Repelener Meer hat der Vorstand sich entschieden, sich um die Streuobstwiese im Stadtteil Eick-West zu kümmern. Diese Streuobstwiese – im Eigentum der Stadt Moers – war seit ca 30 Jahren nicht mehr gepflegt worden und deshalb in einem desolaten Zustand. Die Wiese war eine Art Müllplatz geworden und war nach 30 Jahren „extensiver“ Pflege zu einer Art Urwald geworden. Die Struktur einer Streuobstwiese war nicht mehr zu erkennen.

Im Jahr 2000 haben wir mit den Arbeiten begonnen. Mit teilweise mehr als 30 Helfern haben wir die Wiese von Sperrmüll und anderem Müll befreit und damit 2 große Contaíner gefüllt. Schon diese Aktion fand mit Hilfe der Nachbarschaft und befreundeten Organisationen (IGBCE) statt. Die Berichterstattung in der örtlichen Presse war sehr positiv.

Der Ortsvereinsvorstand hat darauf beschlossen, die Wiese von der Stadt Moers langfristig zu pachten. Dieser Pachtvertrag wurde erstmalig im März 2002 unterschrieben.

Nach mehreren großen Aufräumaktionen und Rodungsarbeiten wurde die Struktur der Streuobstwiese wieder in der alten Form sichtbar. Inzwischen sind mehr als 60 neue Bäume angepflanzt worden. Bei diesen Apfel-, Birnen- und Kirschbäumen wurde besonderer Wert auf alte Obstbaumarten gelegt.

III. Der Ortsverein als Landwirt

Streuobstwiesen gelten dem Gesetzgeber und dem Kreis Wesel als unterer Landschaftsschutzbehörde als besonders schützenswert. Nachdem noch in den 1970er Jahren der Abbau von Streuobstwiesen durch Bund und Land gefördert wurde, wird inzwischen großer Wert auf den Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen gelegt. Die Europäische Union fördert den Erhalt der Streuobstwiesen über das Land NRW.

Der Ortsverein Rheinkamp hat nach dem Abschluss des Pachtvertrages bei der Landwirtschaftskammer Rheinland den Antrag auf Prüfung der Erzeugereigenschaft als Landwirt gestellt. Nach Verhandlungen mit der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft über die Kranken- und Sozialversicherungspflicht – der OV konnte nachweisen, dass die Arbeiten auf der Wiese nur von Ehrenamtlichen geleistet werden – hat die Landwirtschaftskammer den Ortsverein als „Landwirt im Nebenerwerb Obstbau“ anerkannt und eine Betriebsnummer vergeben, die wiederum Voraussetzung war für den Antrag auf Gewährung von Zuwendungen des Vertragsnaturschutzes durch den Kreis Wesel.

Seit dem Jahr 2003 erhält der OV Rheinkamp einen jährlichen Zuschuss von ca. 800 € gemäß den „Rahmenrichtlinien über die Gewährung von Zuwendungen im Vertragsnaturschutz“. Diese Förderung wird in Gänze verwandt für die Finanzierung neuer Bäume. Es müssen regelmäßig alte Bäume ersetzt werden, die vom Sturm oder auch wegen Altersschwäche gefällt werden bzw. umfallen.

(Eine 5 m hohe Rote Sternrenette kostet mit Pflanzmaterial etwa 150 – 200 €.) Zudem besteht die Auflage, auf chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide zu verzichten.

IV. Wilhelm-Dröscher-Preis 2003

Der SPD OV Rheinkamp hat sich im Jahr 2002 beim Bundesvorstand der SPD Deutschland für den Wilhelm-Dröscher-Preis beworben. Dieser Preis wird seit Jahren vom SPD-Bundesvorstand bei Bundesparteitagen für beispielhafte Ortsvereinsarbeit vergeben. Eine Jury unter Vorsitz von Sigmar Gabriel hatte entschieden, dass der Ortsverein Rheinkamp sein Projekt anlässlich des Bundesparteitages Anfang 2003 in Bochum neben anderen ca. 50 ausgewählten Ortsvereinen aus ganz Deutschland vorstellen kann.

Es wurden dort viele interessante Projekte präsentiert, aber an unserm Stand mit ein paar jungen Apfelbäumen, vielen Äpfeln von der Streuobstwiese, unserem selbstgebrauten Aufgesetzten und natürlich unserem etwas rauhen Charme war immer etwas los und der Bundesparteivorstand gab sich bei uns die Klinke in die Hand. Es war absolut spannend, aber zum Schluss erhielten wir vom Parteivorsitzenden Gerd Schröder den Dröscher-Preis für unsere „beispielhafte Arbeit“ auf der Streuobstwiese. Darauf sind wir noch heute stolz!

V. Das Streuobstwiesenfest
Im Zusammenhang mit der Streuobstwiese entstand im Jahr 2000 die Idee, an der Wiese ein Streuobstwiesenfest durchzuführen. Dieses Fest sollte zum einen dazu dienen, ökologisch produzierenden, landwirtschaftlichen Direktvermarktern aus der Region die Möglichkeit zu bieten, ihre Produkte einem breiten Publikum vorzustellen und andererseits das Projekt Streuobstwiese der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Veranstaltung soll gemäß OV Vorstandsbeschluss einen „niederschwelligen Charakter“ haben, soll also keine „Propaganda-Veranstaltung“ der SPD sein. Es gibt keine aufwändige Plakatierung, keine Reden, aber alle Besucher wissen, dass wir SPD sind. Zudem gilt für uns eine „besucherfreundliche Preisgestaltung“.

Nun feiern wir im Jahr 2015 – immer am 1.Sonntag im September von 11-17 Uhr – das 15. Streuobstwiesenfest. Das Fest ist inzwischen eine Traditionsveranstaltung im Stadtteil mit vielen Stammgästen unter den ca. 1.500 – 2.000 Besuchern geworden und damit sicher eine der größten Veranstaltungen der SPD im Kreis Wesel.

Für das Jahr 2015 haben sich bisher (Stand 30.06.2015). 28 Standbetreiber angemeldet: es gibt viele Angebote: vom Apfelbrand von Streuobstwiesen über selbstgeräucherte Forellen, selbstgebastelten Schmuck und Häkeleien, vor Ort geschmiedeter Gartendekoration, Obst von Streuobstwiesen, Honig, Marmelade bis hin zur selbstgebackenen Grillage-Torte. Der Ortsverein betreibt traditionell: Getränkestand, Kaffee- und Kuchenstand und einen Grillstand. Als besondere Spezialität bietet der Ortsverein „Schmörkes“ mit Kräuterquark und Curry-Wurst – alles natürlich mit viel Liebe handgemacht.

VI. Unsere fleißigen MitarbeiterInnen: Schafe und Bienen

Seit Sommer 2013 haben wir nun auch natürliche Rasenmäher: unser Schäfer Bayram Onart suchte eine Wiese für seine kleine Schafherde und wir suchten einen Schäfer mit Schafen für unsere Streuobstwiese. Der Zufall einer gemeinsamen Taxifahrt brachte uns zusammen. Mittlerweile haben wir 15 Schafe auf unseren Wiesen. Da wir vor 1 Jahr zusätzlich zur Streuobstwiese noch die direkt neben unserer Streuobstwiese liegende Eicker Wiese, die dem Stadtteil den Namen gegeben hat, von der Stadt anpachten konnten, haben wir nun mit insgesamt ca. 2,5 ha – genug Weidefläche für diese kleine Herde.

Im Sommer 2015 wurden wir von einer Jung-Imkerin angesprochen, die einen Platz für ihre 2 Bienenvölker suchte. Mittlerweile haben sich die Bienen eingewöhnt und wir freuen uns über das schöne Bild der Nektar und Pollen sammelnden Bienen.

Zudem haben wir ca. 50 Nisthilfen an unsern Bäumen, die wir regelmäßig säubern, ergänzen und erneuern. So werden wir in diesem Sommer auch eine neue Steinkauzröhre in einem Baum platzieren.

VII. Daten zur Streuobstwiese

Daten zur Streuobstwiese:
– Größe der Streuobstwiese: ca. 9.000 m²
– Größe der Eicker Wiese: ca. 16.000 m²
– Bestand: 115 Obstbäume
– Sorten: Apfel, Birne, Kirsche, Esskastanie, Zwetschge, Pflaume, Mirabelle, Mispel

Folgende alte Obstbaumsorten sind unter anderem auf der Wiese vertreten:
Apfel: Sternrenette, Champagnerrenette, Kaiser Wilhelm, Rheinischer Winterrambur, Roter Eiserapfel, Freiherr von Berlepsch Klarapfel, Gravensteiner, Alkmene, Melrose, Boskoop, Prinz Albrecht von Preußen, Winterglockenapfel, Rote Sternrenette, Jakob Lebel, Riesenboiken, Geheimrat Oldenburg, Elstar, Rheinischer Bohnapfel,
Birne: Clapps Liebling, Conference, Vereinsdechant Birne, Williams Christ Birne, Büttners Birne,

Kirsche: Hedelfinger Riesen, Regina,

Weitere Obstsorten: Portugiesische Quitte, The Czar (Pflaume), Geisenheimer Top Zwetschge), Mirabelle von Nancy,

VIII. Kontakt:
AG Streuobstwiese
Hartmut Hohmann Tel. 02841 44 1 66
hartmut@nullhohmann-moers.de

Führungen für Grundschulen und Tageseinrichtungen für Kinder können gerne vereinbart werden.

Wer auf der Wiese mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen!